
End-lich leben: Bestattungsrituale aus weltlicher und geistlicher Sicht
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „End-lich leben“ fand am 28. Oktober 2026 im Paulushaus in Osterberg ein informativer und zugleich bewegender Abend zum Thema „Bestattungsrituale aus weltlicher und geistlicher Sicht“ statt. Über 70 Interessierte folgten der Einladung der Pfarreiengemeinschaft (PG) Altenstadt, der ILE, der Volkshochschule (VHS) sowie von Andrea Müller, Pflege-Lotsin und Quartiersmanagerin des Marktes Kellmünz. Gemeinsam wurde ein Raum geschaffen, um offen über ein Thema zu sprechen, das uns alle irgendwann berührt: den Abschied vom Leben und die Frage, wie wir unseren letzten Weg gestalten möchten.
Pfarrer Kleinle vermittelte eindrucksvoll die christliche Sicht auf Abschied und Auferstehung. Mit viel Einfühlungsvermögen erläuterte er die kirchlichen Bestattungsrituale – vom Weihwasser und den gesprochenen Gebeten bis hin zum letzten Gang ans Grab. Dabei wurde spürbar, wie sehr solche Rituale Halt geben können, wenn Worte fehlen und der Verlust eines geliebten Menschen schmerzt. Die christliche Botschaft der Auferstehung schenkt Hoffnung und macht Mut, den Tod nicht als endgültiges Ende zu verstehen.
Auch mit einem weitverbreiteten Irrtum räumte Pfarrer Kleinle auf: Katholiken dürfen sich sehr wohl für eine Feuerbestattung entscheiden. Das entsprechende kirchliche Verbot wurde bereits 1963 vom Vatikan aufgehoben. Ebenfalls erinnerte er mit einem bittenden Appell daran, beim letzten Gang zum Grab das Ratschen für einen Moment ruhen zu lassen und diesem besonderen Augenblick die Aufmerksamkeit und Würde zu schenken, die er verdient.
Frau Hirt vom Bestattungsinstitut Wedemeyer zeigte die Vielfalt der heutigen Bestattungsmöglichkeiten auf. Neben der klassischen Erdbestattung gewinnt die Feuerbestattung zunehmend an Bedeutung und ist inzwischen die am häufigsten gewählte Bestattungsform. Auch Waldbestattungen bieten eine Alternative. Gleichzeitig nehmen Bestattungen ohne kirchliche Begleitung zu, bei denen häufig freie Trauerrednerinnen und Trauerredner den Abschied gestalten. Die verschiedenen Möglichkeiten zeigen, wie individuell die Vorstellungen von einem würdevollen letzten Weg sind.
Eine Botschaft verband beide Referenten besonders: Es ist ein Geschenk an die Angehörigen, die eigenen Wünsche für den Abschied rechtzeitig auszusprechen und aufzuschreiben. Welche Bestattungsform wünsche ich mir? In welchem Rahmen soll die Trauerfeier stattfinden? Welche Musik soll erklingen? Wünschen wir eine kirchliche Messe, und wer soll an der Feier teilnehmen dürfen? Solche Fragen mögen zunächst schwerfallen. Doch wer seine Vorstellungen festhält, nimmt den Angehörigen in einer Zeit tiefer Trauer viele schwierige Entscheidungen ab und ermöglicht einen Abschied, der wirklich zum verstorbenen Menschen passt.
Der Abend machte deutlich: Über den Tod zu sprechen bedeutet nicht, sich vom Leben abzuwenden. Im Gegenteil – es kann helfen, bewusster zu leben, miteinander ins Gespräch zu kommen und füreinander vorzusorgen. Es braucht Mut, sich diesen Fragen zu stellen, aber auch Vertrauen und die Gewissheit, dass wir mit unseren Gedanken und Gefühlen nicht allein sind.
Worte zum Nachlesen und Innehalten:
Zum Abschluss müssen zwei Beiträge festgehalten werden, die den Abend auf besondere Weise ergänzen und die Gedanken rund um Abschied, Trauer und Hoffnung noch einmal aufgreifen.
Frau Hirt vom Bestattungsinstitut Wedemeyer hatte ein Zitat der polnischen Dichterin Mascha Kaléko mitgebracht, das auf einfühlsame Weise Gefühle und Gedanken zu dieser Thematik widerspiegelt.
Das Gebet von Pfarrer Kleinle gab dem Abend einen besinnlichen Ausklang und griff die christliche Hoffnung auf, die viele Menschen im Glauben finden.
Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind.
Allein im Nebel tast ich todentlang,
und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.
Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr,
-und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andern muß man leben.
Gebet von Pfarrer Kleinle:
Guter Gott, du kennst jeden Menschen beim Namen, seinen Anfang und sein Ende.
Wir danken dir für alle, die uns vorausgegangen sind, und für die Liebe, die bleibt.
Nimm unsere Verstorbenen auf in dein Licht und schenke ihnen Frieden.
Halte alle, die trauern, wenn ihnen die Kraft fehlt, und lass sie nicht allein.
Gib uns den Mut, rechtzeitig zu sagen, was uns am Herzen liegt.
Schenke uns die Zuversicht, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, weil Christus lebt.
Da rum bitten wir durch Christus, unseren Herren. Amen
Vielen Dank an Andrea Müller für die Bereitstellung des Beitrags!




















